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Nach unserem Beitrag „Hanf aus dem Vogtland“ kam die Frage: Und davor? Wir sind weiter zurückgegangen, bis in die Zeit vor dem Zweiten Weltkrieg und noch weiter.

Hanf auf dem Hof

Über Jahrhunderte wuchs Hanf zusammen mit Flachs auf kleinen, gartenähnlichen Flächen. Die Bauern machten daraus Garn, grobe Stoffe, Säcke und Seile, meist für den eigenen Bedarf. Der Historiker Uwe Spiekermann nennt Hanfstoff deshalb die „Leinwand der Armen“. Auch Öl wurde aus Hanf gewonnen, zum Beispiel als Lampenöl und für Anstriche.

Das 19. Jahrhundert: Hanf verschwindet

1878 standen im Deutschen Reich noch rund 21.000 Hektar Hanf auf den Feldern. 1913 waren es nur noch etwa 200 Hektar. Billige Fasern aus Übersee wie Jute, Sisal und Baumwolle verdrängten den Hanf, Stahlseile ersetzten Hanfseile im Bergbau und auf Schiffen, und Kartoffeln und Rüben brachten den Bauern mehr ein.

Ganz in unserer Nähe lässt sich dieser Wandel gut sehen: In Triebes bei Zeulenroda entstand ab 1875 eine Jute-Industrie. Jute ist genau die Faser, die den Hanf bei Säcken und Packtuch abgelöst hat.

Zeitstrahl vor 1914: Hanf auf dem Hof, Jute-Industrie in Triebes ab 1875, 1878 rund 21.000 Hektar, 1913 rund 200 Hektar

Erster Weltkrieg

Als im Ersten Weltkrieg die Importe ausblieben, förderte der Staat den Hanfanbau wieder, mit Höchstpreisen und einer eigenen Hanfbaugesellschaft. 1920 waren es rund 5.350 Hektar. Danach brach der Anbau schnell wieder ein, 1932 waren es noch rund 200 Hektar.

NS-Zeit und Zweiter Weltkrieg

Das NS-Regime wollte unabhängig von Importen werden und ließ Hanf für die Kriegswirtschaft wieder großflächig anbauen. Bis 1940 wuchs die Fläche auf rund 21.000 Hektar. Trotzdem kamen 1941, im Jahr der größten Kriegsernte, noch 80 Prozent der Hanffasern aus Italien. Der Hanf war damit vor allem ein Rohstoff für den Krieg, keine Rückkehr zur alten bäuerlichen Tradition.

Zeitstrahl 1914 bis 1945: Erster Weltkrieg, Tiefstand 1932, Anbau in der NS-Zeit für die Kriegswirtschaft, 1941 Importe aus Italien

Nach 1945

In der DDR hielt sich der Anbau länger als im Westen, vor allem im Bezirk Potsdam. 1960 waren es rund 6.583 Hektar, ab 1973 praktisch nichts mehr. Erst seit Mitte der 1990er Jahre darf in Deutschland wieder Faserhanf angebaut werden, auch bei uns im Vogtland. Davon erzählt unser Beitrag „Hanf aus dem Vogtland“.

Und in Plauen?

Plauen ist mit Tuch, Schleiern und Spitze groß geworden. Ob rund um Plauen früher Hanf auf den Feldern stand, ob es hier Seiler gab, die mit Hanf arbeiteten, und ob auch im Vogtland im Krieg Hanf angebaut wurde, konnten wir bisher nicht belegen. Antworten liegen vermutlich in alten Akten im Stadtarchiv Plauen oder im Staatsarchiv Chemnitz, und in den Erinnerungen von Familien.

Habt ihr Fotos, Briefe oder Geschichten von Hanf auf Feldern, von Seilern oder von alten Flurnamen wie „Hanfgarten“? Erzählt sie uns im Laden in der Herrenstraße 16 oder schreibt uns. Wir ergänzen diesen Beitrag gern, mit eurem Namen, wenn ihr das möchtet.

Nur für Erwachsene ab 18.

Quellen